Wieder Kritik an Nord Stream 2: „Nichts als politische Panikmache“ – Experte

Flüssiggas aus den USA hat in Europa einen verschwindend geringen Marktanteil. Das verflüssigte und aus den Vereinigten Staaten verschiffte Erdgas kann mit dem russischen Pipelinegas preislich nicht konkurrieren. Daran werden auch weder politische Druckmittel noch Drohgebärden etwas ändern können.

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Dennoch kommt es immer wieder zu Attacken gegen die russisch-europäische Gaspipeline Nord Stream 2. Die Gasleitung, die durch die Ostsee verläuft, bilde „eine Schwachstelle in der Energiesicherheit Europas“, sagte der amerikanische Energieminister Rick Perry beim Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Alexander Nowak in Moskau.

Insofern habe Washington Verständnis „für den Wunsch europäischer Marktteilnehmer, die Abhängigkeit vom einzigen Lieferanten zu verringern“. Russland müsse indes ein verantwortlicher Energielieferant sein und müsse aufhören, Öl und Gas als Einflussmittel gegen Drittländer einzusetzen, so der US-Minister.

Diese Vorwürfe rühren daher, dass die Amerikaner die russischen Gaslieferanten auf dem europäischen Markt bedrängen wollten, sagt der Energieexperte Dmitri Adamidow: „Heute bezieht Europa rund 40 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland. Geringer wird dieser Marktanteil angesichts der Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika, und weil die europäischen Gasquellen in der Nordsee langsam versiegen, aus objektiven Gründen sicher nicht“, so der Analyst. Hier kollidiere der Wunsch der US-Amerikaner mit der wirtschaftlichen Realität.

„Die USA haben noch ein Problem, verbunden mit den technischen Möglichkeiten Schiefergasvorkommen. Sie gelten nämlich als sehr kurzlebig, weshalb noch lange nicht ausgemacht ist, dass diese Gasfelder auch noch in zehn und fünfzehn Jahren die Gasmengen liefern werden“, erläutert der Experte. „Auch in dieser Hinsicht ist der Nord Stream 2 deutlich günstiger.“

Außer „politischer Panikmache“ sei an den Vorwürfen des US-Ministers nichts weiter dran, sagt der Analyst Adamidow. „Die USA können doch heute schon so viel Flüssiggas nach Europa liefern, wie sie wollen. Es hindert sie doch niemand daran. Aber sie verlieren einfach im Vergleich mit russischen Gasprojekten.“

Beim Treffen in Moskau hat der US-Minister auch eine Zusammenarbeit mit Russland im Energiesektor vorgeschlagen, und zwar auf Grundlage von „Gleichberechtigung und Interessenausgleich“.

„Nachdem ExxonMobil aus Russland gegangen ist, findet Zusammenarbeit heute praktisch nicht mehr statt – oder nur vereinzelt, wie beim Sachalin-1. Neue Projekte sind aber nicht in Planung“, erklärt der Energieexperte Adamidow.

Auch seien keine Ölmärkte in Sicht, auf denen Russland und USA konkurrieren könnten. „Die USA sind traditionell in Lateinamerika präsent, wir stattdessen mehr in Europa. Wir kommen uns nicht in die Quere, was an sich schon eine gute Nachricht ist.“

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Der russische Energieminister Nowak hat im Gegenzug vorgeschlagen, die Arbeit der Energiearbeitsgruppe im Rahmen der bilateralen russisch-amerikanischen Kommission wiederaufzunehmen. Dies würde den Interessen beider Länder entsprechen, weil es das Vertrauen in den bilateralen Beziehungen erhöhen würde.

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