Westliche Medien entschuldigen sich für Russland-Bashing – was kommt noch?

Zunächst veröffentlichte die britische Zeitung „The Guardian“ einen Beitrag, in dem der Autor einräumte, dass die westlichen Medien es bei ihrer Verleumdungskampagne gegen Russland im Vorfeld der Fußball-WM übertrieben hätten. Auch in der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ erschien ein Artikel, deren Autorin den Westen für dessen Hochmut gegenüber Russland kritisierte.

Das ist immerhin ein großer Fortschritt im Vergleich zur Situation im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Auch damals war Russland das Objekt einer Hetzjagd seitens der westlichen Medien geworden. Damals behauptete man, die Russen wären „schwulenfeindlich“, und das Land wäre zur Austragung der Spiele nicht bereit gewesen und deshalb würden sie grandios scheitern.

Als aber die Olympischen Spiele zu einem großen Erfolg wurden, zeigten die westlichen Medien überhaupt keine Reue, dass sie Russland so schlechtgeredet hatten. Der negative Ton hielt an, aber es wurde zugegeben, dass der Kreml sein Ziel erreicht und die Spiele hervorragend organisiert hätte.

Vor diesem Hintergrund kommt das Eingeständnis, dass die westlichen Medien nicht ganz Recht gehabt und Russland verleumdet hätten, nahezu überraschend, besonders wenn man bedenkt, dass Zeitungen wie „The Guardian“ und „Die Welt“ zu den führenden „Mainstream“-Medien im Westen gehören, die eher dafür bekannt sind, ständig gegen Russland zu stänkern.

In diesem Zusammenhang taucht die Frage auf: Geht es denn tatsächlich um eine Trendwende im internationalen Informationsraum, sodass die Hoffnung besteht, dass man im Westen seine bis dato Russland-feindliche Redaktionspolitik endlich korrigieren wird?

Die Antwort auf diese Frage hat in einem gewissen Sinne der Trainer der russischen Nationalmannschaft, Stanislaw Tschertschessow, in seinem Interview für das „Spiegel“-Magazin gegeben, als er das Interview unterbrechen musste, nachdem ihn der deutsche Journalist mehrmals zu dem aus dem Finger gesogenen Thema Doping unter russischen Sportlern zu befragen versucht hatte.

Nein, da wird es keine grundsätzlichen Veränderungen geben: Russland wird für den Westen wohl immer der Sündenbock bleiben, egal ob der Anlass dafür real oder eben aus dem Finger gesogen sein wird.

Und bei den „Entschuldigungen“ geht es nicht um die Absicht, die bisherige Unfairness wieder gut zu machen, sondern einfach darum, dass man seine eigenen Fehler vertuschen und seine eigene Anfälligkeit übertünchen will.

Die westlichen „Mainstream“-Medien durchleben gerade schwere Zeiten. Das Vertrauen des Publikums zu den einflussreichsten und respektierten Medien geht ständig zurück, weil ihre Neigung zur Propaganda in den vergangenen Jahren viel zu offensichtlich wurde. Und das gilt übrigens nicht nur für Russland, sondern auch für viele andere Themen – vom Brexit bis hin zu Donald Trump.

Das beeinflusst seinerseits den Umfang der „Zielgruppe“  und die damit verbundenen Einnahmen negativ.

Das Problem der westlichen Medien und ihrer antirussischen Kampagne besteht nicht darin, dass diese Kampagne der Realität radikal widerspricht, sondern darin, dass dieser Widerspruch inzwischen für den größten Teil des Publikums offensichtlich wurde. Erstens haben sehr viele Menschen – im Unterschied zu den Olympischen Winterspielen – Russland besucht und ihre entzückten Eindrücke in sozialen Netzwerken zum Ausdruck gebracht, die heutzutage die traditionellen Medien aus der Sicht des Einflusses auf die öffentliche Meinung quasi herausfordern. Und zweitens geht es darum, dass die Menschen ausgerechnet Russland im Allgemeinen massenweise positiv einschätzen.

Der Erfolg der Olympischen Spiele – auch wenn sie einen richtigen Durchbruch bedeuteten – war eher lokal, weil sie auf einem relativ kleinen Territorium stattfanden. Und es ist kein Zufall, dass westliche Analysten und Medien nach dem großen Erfolg der Spiele in Sotschi absichtlich ständig das Thema „Projekt des Kremls und Präsident Putins persönlich“ aufwarfen.

Die Olympischen Spiele 2014 wurden aus der Sicht der westlichen Propaganda zur „Quintessenz“ der Aktivitäten des russischen Staates, der durchaus imstande ist, seine Ressourcen zu mobilisieren und eine Art „Glücksinsel“ (sprich ein „Potemkinsches Dorf“) zu errichten – mitten in einem aussichtslos armen Land. De facto fanden die Spiele in Sotschi für den Westen genauso wie die Spiele 1980 in Moskau statt – nach dem Schema:

„Der zum Scheitern verdammte autoritäre Staat hat sich mit Mühe und Not zusammengerissen und kurzfristig ein attraktives Bild geschaffen, das nach außen ausgerichtet war.“

Das erklärt übrigens, warum es 2014 keine Entschuldigungen bei Russland gab – die westlichen Medien hatten noch einen bequemen „Notausgang“ – sie konnten ja sagen: „Es gab zwar gewisse Übertreibungen, aber im Allgemeinen hatten wir Recht.“

Doch nach der Fußball-WM 2018 haben sie diese Möglichkeit nicht mehr: Die ausländischen Gäste haben nicht nur Sotschi und Krasnaja Poljana gesehen, die im Vorfeld der Olympischen Spiele speziell hergerichtet worden waren, sondern Russland im Allgemeinen. Neben der neuen sportlichen Infrastruktur sahen sie, wie die russischen Städte, Straßen, Hotels, Geschäfte und Menschen sind, wie ihr Leben im Alltag ist. Und die Gäste bewunderten nicht das Stadion „Fisht“ oder den Einsatz der freiwilligen Helfer, sondern Russland generell. 

Deshalb können die westlichen Medien nicht mehr behaupten, der Erfolg der Fußball-WM wäre nur dank eines neuen „Mobilisierungsprojekts“ des Kremls möglich geworden. Die Spiele in Sotschi hatte man im Westen als eine Art Präsentation der Möglichkeiten des russischen Staates betrachtet, und die Fußball-WM zeigte der Welt Russland so, wie es im Alltag ist.

Und dieses Land hat der Welt auch gefallen.

Das wurde für die westlichen „Mainstream“-Medien zu einem neuen Image-Schaden, denn die Kluft zwischen den von ihnen verbreiteten Mythen und der Realität war einfach viel zu groß. Und jetzt versuchen sie, die Situation für sich möglichst wieder gut zu machen.

Aber man sollte diesen Quasi-Entschuldigungen nicht glauben. Denn der „Guardian“ schrieb im selben Artikel, an den Lügen über Russland, die im Westen massenweise verbreitet werden, wären … russische Beamte schuld, die sich dem Autor zufolge „schon längst hätten enthüllen und der Welt die andere Seite ihres Landes hätten zeigen sollen“. 

Also sollte man sich nicht wundern, wenn „Der Spiegel“ demnächst schreiben würde, der Abbruch des Interviews durch Stanislaw Tschertschessow wäre die Einräumung der eigenen Schuld  und der Tatsache gewesen, dass der Erfolg der russischen „Sbornaja“ bei der WM 2018 durch ein einmaliges Dopingmittel bedingt gewesen sei, das unter dem Namen „Ammoniaklösung“ bekannt sei.

* Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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