Rogatschow-Zentrum: Internationale Hilfe für Kinder mit einem tollen Ergebnis

Die Zusammenarbeit begann im russischen Forschungsinstitut für Pädiatrische Hämatologie in Moskau Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre. Damals waren die Genesungswerte von an Leukämie erkrankten Kindern extrem niedrig, und die Zahl der Erkrankungen, insbesondere nach der Katastrophe von Tschernobyl, hoch.

Russische Ärzte baten ihre ausländischen Kollegen um Hilfe. So startete man das Programm „Moskau-Berlin“ für die Behandlung der akuten Leukämie. Als Folge wurden 68 Zentren zur Behandlung von pädiatrischen hämatologischen Krebserkrankungen russlandweit eröffnet. Hier werden Kinder nach in Deutschland üblichen Standards behandelt. Die Überlebungsrate ist von 15 auf 80 bis 90 Prozent gestiegen.

„Die Kooperation mit den russischen Ärzten begann 1990. 1989 hatten wir uns im Weimar anlässlich eines internationalen Leukämiesymposiums getroffen, bei dem auch eine russische Delegation anwesend war. Wir hatten damals unsere Ergebnisse bei der Leukämiebehandlung vorgestellt. Die russische Delegation war so beeindruckt, dass sie sagte: Das kann doch nicht sein! Dann hat Professor Rumjanzew uns nach Russland eingeladen. Wir haben das Problem besprochen und mit dem Behandlungsplan angefangen. Dann entstand ein Bund von Kliniken, die eng zusammenarbeiten“, sagt Professor Henze im Interview mit Sputnik.

Heute ist das Zentrum vollständig in die Weltwissenschaft integriert. Der im Jahr 2011 eröffnete Neubau des Zentrums wurde zu einem großen internationalen Projekt: Beim Bau wurden deutsche Technologien verwendet. Generalauftraggeber war das Bauunternehmen „Transumed GmbH Medizintechnik“. Professor Dr. Günter Henze arbeitet im Zentrum seit Juli 2012.

„Das Rogatschow-Zentrum ist die am besten ausgestattete Klinik in Russland, wo jeden Tag etwa 400 kleine Patienten behandelt werden, entweder stationär oder halbstationär“, so Henze. „Wir haben eine sehr große ambulante Behandlungseinrichtung, dabei mit Wohnunterkünften für die Eltern und für die Patienten in dem Hochhaus nebenan. Das ist sehr wichtig, dass die Leute wirklich die Möglichkeit haben, in enger Nähe zu dieser Klinik zu wohnen.“

Während der Bauzeit absolvierten mehr als 30 Ärzte des Zentrums ein Praktikum in führenden Kliniken Deutschlands und Österreichs, wie etwa an den Abteilungen für Onkologie und Hämatologie der Universitäten Berlin und Münster und im St. Anna-Kinderspital in Wien.

„Wir haben angefangen mit Deutschland und hatten bei uns in Berlin einige russische Ärzte und auch zum Teil Schwestern, die ausgebildet wurden. Dann gingen russische Spezialisten zur Weiterbildung in andere Städte: Münster, München, Düsseldorf, aber auch nach Amerika. Wichtig ist, dass man sich dann auf ein System verständigt, weil die Regeln innerhalb bestimmter Protokolle anders sind: andere Termine, andere Medikamente. Es werden deutsche Programme verwendet, auch für andere bösartige Erkrankungen. So wird zurzeit im Rogatschow-Zentrum eine Gruppe gebildet für Hirntumore. Wir haben in Deutschland ein Verbundsystem für solche Patienten, und dieses System wollen wir gerne für Russland einrichten, so ähnlich, wie wir es für Leukämie gemacht haben.“

Die Behandlung der Patienten ist laut Professor Henze extrem wichtig. Sie ist eine Angelegenheit, die die überlebenden Kinder sichert. „Wir haben eine Analyse gemacht von den Kliniken, die schon lange teilnehmen. Das sind die Morosowskaja-Klinik und das Rogatschow-Zentrum in Moskau, weitere in St. Petersburg, Jekaterinburg, Minsk. Das Ergebnis liegt bei 91 Prozent Überlebenden, also dauerhaft ohne Krankheit.“

Das Zentrum trägt den Namen von Dima Rogatschow. Er war kein Arzt und kein Forscher, sondern ein kleiner Junge aus einem russischen Randgebiet, der mit sieben Jahren an Leukämie erkrankte. Bei ihm wurde jedoch eine falsche Diagnose gestellt. Später beschlossen die Ärzte, Dima in Moskau behandeln zu lassen. Er wollte aber nicht dorthin.

Dann sagte einer der Ärzte zu ihm: Präsident Putin lädt dich zu Pfannkuchen ein. Und Dima gab seine Zustimmung. 2005 besuchte Putin tatsächlich mit Pfannkuchen den kleinen Patienten im Kinderkrankenhaus. Die Ärzte erzählten dem Präsidenten, dass sie viele Patienten ablehnen müssen, weil es keine freien Betten gibt, und dass ein neues Zentrum für pädiatrische Hämatologie und Onkologie gebaut werden müsste. So ist das neue Zentrum am 1. Juni 2011 eröffnet worden. Dima Rogatschow war schon vier Jahre zuvor gestorben. Das neue mehrfarbige Gebäude des Zentrums befindet sich heute Lenin-Prospekt. Erstmals ist eine medizinische Anstalt nach einem Patienten benannt worden.

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